Stetten bei Haigerloch: Wo Geschichte auf weißes Gold trifft
Stetten (oft als Stetten bei Haigerloch bezeichnet) ist weit mehr als nur ein ruhiger Ortsteil im Zollernalbkreis. Als zweitgrößter Stadtteil von Haigerloch verbindet er idyllische Natur am Ufer der Eyach mit einer faszinierenden Industriegeschichte und einem pulsierenden Vereinsleben. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch diesen besonderen Ort in Baden-Württemberg.
Geographie: Im Herzen des Eyachtals
Stetten liegt malerisch am rechten Ufer der Eyach, etwa drei Kilometer südöstlich der Kernstadt Haigerloch. Mit einer Gemarkungsfläche von 678 Hektar bietet der Ort eine abwechslungsreiche Landschaft, geprägt durch den Zusammenfluss von Stunzach und Eyach im Westen des Dorfes. Die strategische Lage zwischen Hechingen (15 km) und Balingen (11 km) macht Stetten zu einem attraktiven Wohnort im Grünen.
Das „Weiße Gold“: Das Salzbergwerk Stetten
Man kann nicht über Stetten sprechen, ohne das Salzbergwerk zu erwähnen. Gegründet 1854 auf Anregung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV., zählt es heute zu den ältesten und gleichzeitig modernsten Bergwerken Deutschlands.
- Vom Speisesalz zum Industrierohstoff: Ursprünglich für Speise- und Viehsalz genutzt, wird das Steinsalz heute primär von der Firma WACKER für die Chlorherstellung (Standort Burghausen) sowie als Streusalz für den Winterdienst verwendet.
- Wirtschaftsmotor: Wöchentlich verlassen mehrere Güterzüge das Werk, was Stetten zu einem bedeutenden Industriestandort in der Region macht.
Ein Blick in die Geschichtsbücher
Die erste urkundliche Erwähnung datiert zurück auf das Jahr 1275. Die Historie Stettens ist geprägt von wechselnden Herrschaftsverhältnissen:
- Adelsgeschlechter: Von den Grafen von Zollern über die Herren von Bubenhofen bis hin zu den Herren von Weitingen.
- Preußische Ära: Ab 1850 wurde der Ort Teil der Hohenzollerischen Lande und damit preußisch – ein Erbe, das man noch heute in der Zugehörigkeit zum ehemaligen Oberamt Haigerloch spürt.
- Moderne: 1971 wurde die Selbständigkeit aufgegeben und Stetten in die Stadt Haigerloch eingemeindet.
Wussten Sie schon? Der Name „Stetten“ leitet sich vom althochdeutschen Wort Stat (Stätte/Platz) ab. Es ist verwandt mit dem lateinischen statio (Station).
Kultur, Glaube und Symbole
Das Ortsbild wird geprägt durch die Pfarrkirche St. Michael, die 1898 erbaut wurde. Die Bevölkerung ist traditionell überwiegend katholisch geprägt.
Das Wappen von Stetten erzählt die Geschichte des Ortes auf einen Blick:
- Die Forelle: Symbol für den Fischreichtum der Eyach.
- Schlägel und Eisen: Die gekreuzten Berghämmer stehen für die tiefe Verbundenheit zum Salzbergbau.
- Farben: Silber und Rot erinnern an die Grafen von Hohenberg.
Ein Dorf, das sich bewegt: Vereine & Freizeit
Stetten zeichnet sich durch ein außergewöhnlich aktives Vereinsleben aus. Hier wird Gemeinschaft großgeschrieben:
Sportverein Grün-Weiß Stetten (SVS)
Mit ca. 370 Mitgliedern ist der SVS der größte Verein im Ort.
- Erfolge: Mehrfache Aufstiege in die Landesliga und Rekord-Eyachpokalsieger.
- Infrastruktur: Ein modernes Vereinsheim (gebaut 2001) und eine starke Jugendabteilung sichern die Zukunft des Sports.
Fasnet & Tradition: Die „Salzschlecker“
Die Stettener Fasnet ist untrennbar mit dem Bergwerk verbunden. Der Narrenverein Salzschlecker Stetten 1968 e.V. schuf Figuren, die lokale Geschichte lebendig halten:
- Der Salzschlecker: Die Hauptfigur, deren Maske an den Bergbau angelehnt ist.
- Die Essenträgerinnen: Sie erinnern an die Frauen, die früher den Bergleuten das Mittagessen zum Förderturm brachten.
- Fanfarenzug: Seit 1988 sorgt er für den richtigen Ton bei den Umzügen.
Musikverein Stetten
Gegründet 1958, ist der Musikverein ein fester Bestandteil kultureller Anlässe. Besonders markant: Seit 1974 treten die Musiker in ihrer charakteristischen Bergmannsuniform auf.
Infrastruktur & Anbindung
Trotz seiner idyllischen Lage ist Stetten bestens angebunden:
- Straße: Die B 463 tangiert den Ort und führt direkt zur A 81 (Anschlussstelle Empfingen) oder zur B 27.
- ÖPNV: Die Buslinien 10 und 7433 verbinden Stetten mit Horb, Hechingen und Balingen (Verkehrsverbund Naldo).
- Schiene: Die Eyachtalbahn dient heute primär dem wichtigen Güterverkehr für das Salzwerk.
Fazit
Stetten bei Haigerloch ist ein Ort, in dem Tradition und Moderne Hand in Hand gehen. Ob unter Tage im Salzbergwerk, auf dem Fußballplatz des SVS oder beim närrischen Treiben der Salzschlecker – der Stolz auf die eigene Geschichte und der starke Zusammenhalt machen diesen Stadtteil zu etwas ganz Besonderem.
Besuchen Sie Stetten und erleben Sie die Gastfreundschaft im Herzen des Zollernalbkreises!