Die Herren von Bubenhofen: Glanz und Elend des mächtigsten Rittergeschlechts der Region
Wer heute durch das idyllische Eyach- oder Stunzachtal wandert, ahnt kaum, dass hier einst eine Familie residierte, deren Reichtum selbst den der Grafen von Zollern in den Schatten stellte. Die Herren von Bubenhofen waren im 15. Jahrhundert die „Superreichen“ Süddeutschlands. Doch ihre Geschichte ist auch eine Mahnung über den Preis von Prunksucht und Schulden.
Der Ursprung: Rätsel im Bubenhofener Tal
Alles begann um 1250 in einem heute fast vergessenen Tal zwischen Rosenfeld und Binsdorf. Im Bubenhofener Tal lagen drei kleine Siedlungen und gleich drei Burgen – darunter die Wasserburg Bubenhofen.
Es ist ein historisches Henne-Ei-Problem: Gab das Tal der Familie den Namen oder die Familie dem Tal? Wahrscheinlich stammten sie ursprünglich aus Oberschwaben und wurden als treue Dienstleute der Zollern hier angesiedelt. Doch die Bubenhofener waren ehrgeizig. Schon bald orientierten sie sich an der aufstrebenden Macht Württemberg.
Der Aufstieg zu den „Bankiers des Adels“
Was die Bubenhofen von anderen Rittergeschlechtern unterschied, war ihr geschäftlicher Spürsinn. Während andere Adlige ihren Besitz durch Kriege verloren, wurden die Bubenhofener zu den Gläubigern der Region.
- Finanzgenies: Sie liehen Reichsstädten wie Rottweil und Reutlingen sowie benachbarten Grafen riesige Summen.
- Pfandherrschaften: Wenn die Grafen von Württemberg Geld für ihre Kriege brauchten, sprangen die Bubenhofener ein. Im Jahr 1461 verpfändete Graf Ulrich V. von Württemberg fast das gesamte Amt Balingen (inklusive Meßstetten, Endingen und Frommern) für die astronomische Summe von 17.500 Gulden an Wolf von Bubenhofen.
Zum Vergleich: Während ein Graf von Zollern damals ein Jahreseinkommen von etwa 1.000 Gulden auswies, verfügten die Bubenhofener über mehr als das Dreifache. Sie waren die wirtschaftliche Supermacht am Neckar.
Geislingen: Das neue Herz der Herrschaft
Ab 1345 verkaufte die Familie ihren Stammsitz und konzentrierte sich auf Geislingen bei Balingen. Hier schufen sie sich ein Denkmal, das man heute noch bewundern kann:
- Das Wasserschloss Geislingen: 1426 erbaute Wolf „der Ältere“ neben der alten Burg ein prächtiges Schloss mit zwei Wassergräben.
- Ein Juwel bis heute: Wer das Schloss heute besucht (den späteren Ausbau durch die Freiherren von Stauffenberg inklusive), sieht die Liebe zum Detail, die diesen Ort über Jahrhunderte gerettet hat. Es ist ein herrlicher Anblick, der zeigt, dass Geschichte hier nicht nur in Büchern steht, sondern atmet.
Die „Balinger Badstuben-Affäre“: Ein Dorf am Rande des Krieges
Dass Macht auch übermütig macht, zeigt ein Vorfall an Heiligabend 1465. Konrad von Bubenhofen ließ einen Bauern, der in Balingen einfach nur die Badstube besuchen wollte, kurzerhand festnehmen und auf seine Burg Hainburg bei Grosselfingen verschleppen.
Das war illegal, da der Ort außerhalb des zuständigen Gerichtsbezirks lag. Die Balinger Bürger und die Bauern der umliegenden Dörfer erhoben sich gegen die Willkür ihres Pfandherrn. Fast wäre ein regionaler Krieg zwischen Württemberg, Rottweil und der Schweiz ausgebrochen. Erst ein diplomatischer Kompromiss des Bischofs von Konstanz konnte die Lage beruhigen.
Der Fall: Der „Goldene Ritter“ und das Ende der Herrschaft
Wie sagt man so schön? „Wie gewonnen, so zerronnen.“ Mit den Söhnen von Hans von Bubenhofen begann der dramatische Abstieg.
- Verprasst in Rekordzeit: Als Wolf und Hans Kaspar 1481 ihr Erbe antraten, besaßen sie neben den Ländereien 12.000 Gulden in barer Goldwährung. Innerhalb nur eines Jahres verprassten sie dieses Vermögen auf der Frankfurter Messe.
- Hans Kaspar „Der goldene Ritter“: Sein Beiname war Programm. Seine Prunksucht war legendär, doch sie machte ihn vom Gläubiger zum Schuldner.
- Der Ruin: 1521 mussten die Herrschaften Gammertingen und Hettingen verkauft werden, um die Schuldenberge zu decken. Der einstige Erzieher des Herzogs Ulrich von Württemberg starb schließlich verarmt in Rottenburg.
1814 erlosch die Familie im Mannesstamm mit dem Tod eines bayerischen Generalmajors endgültig.
Das Erbe: Ein Wappen, das bleibt
Auch wenn die Familie verschwunden ist, ihr Erbe lebt weiter. Das Wappen mit den zwei silbernen Zickzack-Balken auf rotem Grund ist heute noch das Stadtwappen von Geislingen.
Ein Tipp für Entdecker: Machen Sie sich selbst ein Bild! Die Schlösser und Burgen der Bubenhofener – ob in Geislingen, die Burgruine Falkenstein im Donautal oder das Schloss in Hettingen – sind alle auf ihre Weise schön und mit viel Liebe zum Detail erhalten. Es ist ein Segen, dass diese steinernen Zeugen einer glanzvollen Epoche heute noch für uns erlebbar sind.
Mein Fazit für euch
Die Geschichte der Herren von Bubenhofen liest sich wie ein Drehbuch. Sie zeigt uns, wie schnell Aufstieg und Fall im Mittelalter aufeinanderfolgen konnten. Geislingen bleibt dabei der strahlende Mittelpunkt dieser Ära – ein Besuch des Schlosses und des Barockgartens ist wie eine Zeitreise in die Welt des „Goldenen Ritters“.
Hat dir dieser Ausflug in die Adelsgeschichte gefallen? Soll ich dir für deinen nächsten Besuch in Geislingen eine Liste der wichtigsten Sehenswürdigkeiten rund um das Schloss zusammenstellen?