Impressionen vom Umzug in Geislingen (Zollernalbkreis)
Es war kühl, der Himmel hing grau über 72351 Geislingen – doch davon ließ sich niemand abhalten. Schon vor dem Start sammelten sich Familien entlang der Strecke, Kinder standen mit leuchtenden Augen in der ersten Reihe, und die ersten Hästräger mischten sich unters Publikum. Man spürte sofort: Heute gehört die Straße den Narren.
Das Narrenbändel zum Anstecken
Noch bevor der Umzug richtig begann, wurden kleine Stoffstücke verteilt – die sogenannten Narrenbändel. Kein Armband, sondern ein Stück Stoff, das mit einer Stecknadel an der Jacke befestigt wurde. Vier Euro sollte es kosten, zugunsten des veranstaltenden Vereins, um den Umzug zu unterstützen.
Man wurde freundlich angesprochen, manchmal mit einem verschmitzten Lächeln. Viele machten mit und steckten sich das Bändel an – als Zeichen, dass sie die Fasnet unterstützen. Doch auch ohne Stoffabzeichen konnte jeder den Umzug genießen.
Bunt gemischt – von Tradition bis Super Mario
Statt einer riesigen Zahl an Gruppen war es eine schöne, überschaubare Mischung aus verschiedenen Vereinen und Narrengruppen – genau das machte den besonderen Charme aus.
Mit dabei waren unter anderem Gruppen aus Gruol und Lautlingen. Auch der örtliche Fischereiverein beteiligte sich und zeigte, dass Fasnet nicht nur Sache klassischer Narrenzünfte ist.
Die „Waldgoaster“ sorgten mit ihren wilden Masken für Gänsehaut und Gelächter zugleich. Eine Gruppe von Scherenschleifern erinnerte an alte Handwerkskunst und zog mit funkelnden Requisiten durch die Straßen.
Und dann der Kontrast: Zwischen traditionellen Hästrägern tauchten plötzlich Figuren aus der Welt von Super Mario auf – begleitet von einer Pumuckl-Gruppe. Die Mischung aus altem Brauchtum und moderner Popkultur kam besonders bei den Kindern gut an. Genau das macht die heutige Straßenfasnet aus: Tradition trifft Fantasie.
Süßigkeiten und strahlende Kinder
Kaum bog der erste Wagen um die Ecke, flogen Bonbons durch die Luft. Kinder hielten Taschen, Beutel oder einfach ihre Hände hin. Es wurde gesammelt, gelacht, getauscht.
Auch ohne angestecktes Bändel bekamen viele Kinder reichlich Naschereien. Die Hästräger verteilten großzügig und mit sichtlicher Freude. Kleine Schreckmomente durch Hexen oder Waldgeister endeten meist mit einem Augenzwinkern und einem Bonbon.
Alkohol, kleine Einsätze – und eine entspannte Stimmung
Wie bei fast jedem Fasnetsumzug floss auch hier Alkohol. Bierflaschen klirrten, Schnapsgläser wurden gereicht. Kleinere Einsätze des Notdienstes blieben nicht aus, bewegten sich jedoch im normalen Rahmen solcher Veranstaltungen. Insgesamt blieb alles friedlich und entspannt.
Es war laut, bunt und lebendig – aber nie aggressiv. Man kannte sich, man grüßte sich, man feierte miteinander.
Die Nacht war lang
Nach dem Umzug verlagerte sich das Geschehen in Zelte, Hallen und Wirtschaften. Musik, Tanz, Gespräche – die Fasnet hörte nicht einfach auf, sie zog weiter in die Nacht.
Und tatsächlich: Am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr sah man noch einzelne Hästräger an der Bushaltestelle stehen oder langsam durch den Ort gehen. Das Häs vielleicht etwas zerknittert, die Schritte etwas schwerer – aber mit einem zufriedenen Lächeln.
Tradition im Zollernalbkreis
Geislingen gehört zur schwäbisch-alemannischen Fasnet, wie sie im gesamten Zollernalbkreis gepflegt wird – etwa auch in Balingen oder in Albstadt.
Hier stehen handgeschnitzte Holzmasken, traditionelle Häs und das Weitergeben von Brauchtum im Mittelpunkt. Gleichzeitig zeigt sich, dass Fasnet lebendig bleibt – offen für neue Ideen, neue Gruppen und sogar für Videospielhelden.
Fazit
Kein großes Spektakel mit Hunderten Gruppen – sondern ein ehrlicher, bunter Umzug mit Herz.
72351 Geislingen hat wieder gezeigt: Fasnet lebt von den Menschen, die mitmachen. Von Vereinen, Nachbarorten, kreativen Gruppen – und von Kindern mit vollen Taschen.
Und egal ob Waldgoast, Scherenschleifer, Super Mario oder Pumuckl:
Echte Narren lassen sich nicht bremsen.